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Nicht alles beim Gold ist Glanz

Posted by on 13. Januar 2012

„Gold ist ein Kind des Zeus; weder Motten noch Rost verzehren es –
aber der Geist des Menschen wird von diesem kostbarsten Stoff verzehrt.“
(Pindar 5.Jh. v. Chr.)

Gold – bei diesem Begriff werden Emotionen geweckt. Schon die Etrusker fertigten filigrane Kunstwerke aus Gold, die gelbe Preziose ist der Grundstoff für Königskronen wie Eheringe. Die Uhren- und Schmuckindustrie verarbeitet 75 Prozent des geförderten Goldes. Gold verspricht Dauerhaftigkeit, Ewigkeit – Ehre und Ruhm für den, der es trägt.

Von diesem Glanz möchte auch die werbende Industrie profitieren: Wie ein Goldbarren sieht es aus – und das ist auch Absicht. Der neue Herrenduft “1 Million”, der ins Auge springende, glänzende Goldbarren des Designer-Stars Noé Duchaufour-Lawrence für Paco Rabanne, den die Werbung „unwiderstehlich“ nennt, ist in diversen Variationen erhältlich. „Gleichviel um welche Zivilisation oder Religion es sich handelt, Gold hat auf den Menschen immer schon eine starke Anziehungskraft ausgeübt.”, so Modeschöpfer Paco Rabanne, der weiß, welche Zielgruppe Kunde für seinen so speziellen Goldbarren ist.

Selbst profane Waren werden mit Gold „wertvoller“ gemacht. Viele werden sich noch an die Gardinen von ADO mit der „Goldkante“ erinnern, von der Schauspielerin Marianne Koch mit den Attributen Sauberkeit, Sicherheit und
Gemütlichkeit beworben. Der Süßwarenhersteller Haribo steigerte seine Umsätze beträchtlich, nachdem er aus einfach Gummibärchen „Goldbären“ machte. Der Beiname „Gold“ soll aus dem Einfachsekt von Kupferberg ein Edelprodukt machen. In der Lebensmittelbranche wird Blattgold als Flocken und Pulver für die optische Veredelung von Pralinen und Getränken (Danziger Goldwasser) eingesetzt. Zahnärzte überkronen defekte Zähne mit dem gelben Metall. Die Kosmetikindustrie nutzt Gold als edles Färbemittel.

Ein großer Anteil des geförderten Goldes wird in der Industrie verarbeitet; die Sparten Elektrotechnik und Elektronik verarbeiten 10 Prozent des jährlich geförderten Edelmetalls für elektronische Bauteile, Thermoelemente, elektrische Kontakte und Leiterplatten. Die Nanotechnologie setzt  moleküldünne Goldschichten für neue Entwicklungen ein.

Heutzutage wird Gold unter sehr harten Bedingungen industriell geschürft, ob in 4.000 Metern Tiefe bei extremer Hitze in Stollen unter der südafrikanischen Savanne, in den Moskito verseuchten Löchern im Amazonas oder zwischen den Gletschern der Anden. Gold ist wertvoll, weil es – gemessen an der Nachfrage – knapp ist. Und es bleibt knapp, weil es nur unter extremen Bedingungen gewonnen werden kann. Die ergiebigen Goldadern haben die Menschen längst ausgebeutet. Neues Gold gibt es nur noch in winzigen Spuren, fest umschlossen von harten Felsen.

Die Krater, die Goldfirmen in die Landschaft sprengen, sind so groß, dass man sie aus dem All sehen kann. Denn durchschnittlich müssen 20 Tonnen Gestein zermahlen werden, will man eine Unze (=31,104 Gramm) Gold gewinnen. Das reicht gerade mal für vier Goldringe. Wenn die Mahlwerke der Steinmühlen ihre Arbeit getan haben, gießen Arbeiter eine hochgiftige Zyanid-Lösung über den Gesteinsschutt, um noch die letzten Spuren Gold
herauszuwaschen.

Wer Gold kauft, fördert somit die Umweltzerstörung, die an vielen Orten auf der Welt stattfindet. Die auf der Erde noch auf Förderung wartende Goldmenge wird auf 100.000 Tonnen geschätzt. China trotzt seiner Erde das meiste Gold ab, etwa 300 Tonnen waren es im Jahr 2009, Australien folgt mit 220 Tonnen, vor Südafrika 210 Tonnen, die USA 238 Tonnen. Ghana, zweitgrößter Goldproduzent Afrikas, fördert 85 Tonnen. So startet einmal pro Woche ein Hubschrauber vom Gelände der Ahafo-Mine ins 209 Kilometer entfernte Accra, die Hauptstadt Ghanas. Von dort geht die Lieferung mit dem Flugzeug weiter, zum Beispiel in die Schweiz. Nur drei Prozent von dem Verkaufserlös des Goldes bleiben in Ghana, die anderen 97 Prozent bekommt der Minenbetreiber. Die Mine gehört einem der größten Minenbetreiber weltweit, der Newmont Mining Corporation, mit Sitz in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Und so ist es fast immer: Die Erlöse aus der Goldgewinnung fließen vor allem in die reichen Industriestaaten.

Kein anderes Material wurde vergleichsweise über Jahrtausende rituell, philosophisch, religiös, künstlerisch und wirtschaftlich interpretiert. Die Kulturgeschichte des Goldes ist eine Kulturgeschichte der Menschheit, dessen wesentliches Leitmotiv im Besitzen und Glauben liegt, im „Besitzen von“ materiellen und idealen Werten und im „Glauben an“ materielle und ideale Werte. Gold hat insofern eine materielle und ideale Größenordnung, die miteinander verschmelzen und eine einzigartige Ästhetik erzeugen.
Kunst hat sich immer mit dem Gold auseinandergesetzt. Dort, wo sie es als Material benutzt, muss sie es sich auch anrechnen lassen, Teil dieses Kreislaufes zu sein. Andererseits erzeugt Kunst Sichtweisen auf die Ambivalenz der Werte, die mit Gold in Verbindung stehen, und trägt dazu bei, sie bewusst zu machen.

Denn Gold ist das faszinierendste aller Metalle – selten, wertvoll und es vermittelt in sonnigem Glanz ein Gefühl von ewiger Dauer und reinem Licht. Auf der anderen Seite aber bedeutet Gold zu besitzen Macht, Goldschmuck zu tragen schmeichelt, verleiht Schönheit und Würde. Im Gegenzug finden wir die skeptische Bemerkung: „auri sacra fames“, „verfluchter Hunger nach Gold“ (Vergil, Aeneis), immer und überall auf der Welt, wenn es um Gold geht. Doch nicht nur diese Verschmelzung wird in der künstlerischen Auseinandersetzung sichtbar, sondern ebenso die Ambivalenz dieser Größenordnungen, im Spiegel ihrer Entstehungsgeschichte.

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